PARTNERARBEIT
Überlege mit deinem Partner, wie ihr das Gehörte bewertet. Sind Sabbatmädge ein Zeichen für ein gutes Miteinander oder eher für Ausgrenzung? Oder für Verfolgung? Entscheidet gemeinsam, wo ihr den Regler „Sabbatmagd“ auf der Skala platzieren wollt:
AUSGRENZUNG
MITTEINANDER
DIE SABBATMAGD
Bewertungen im Überblick
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THEMA 1
ARBEITSAUFTRAG
ORIENTIERUNGSTEXTE
Höre dir beide Interviews an und schau dir die Materialien an und notiere dir im Anschluss in Stichpunkten, was Frau Sindl und Herr Käsbohrer über Sabbatmägde in Buttenwiesen erzählen.
Im Judentum ist der Sabbat ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden darf. Der Tag dient ganz der religiösen Besinnung und der Erholung. Der Sabbat beginnt am Freitagabend bei Sonnenuntergang mit dem Entzünden der Sabbatkerzen durch die Hausfrau und endet am Samstag mit Sonnenuntergang. In dieser Zeit dürfen auch keine Hausarbeiten verrichtet werden. Um dennoch zum Beispiel Licht und genügend Holz im Ofen zu haben, stellten viele jüdische Haushalte Sabbatmägde an, die diese Tätigkeiten am Sabbat für sie erledigten. Davon erzählt Centa Sindl in ihrem Beitrag Einige wenige jüdische Familien in Buttenwiesen konnten es sich auch leisten, dauerhaft eine Hausangestellte zu finanzieren. Johanna Käsbohrer arbeitete zum Beispiel viele Jahre für die Familie Leo Reiter und unterstütze diese natürlich auch am Sabbat. Davon erzählt ihr Sohn, Ulrich Käsbohrer, in seinem Beitrag.
Centa Sindl
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J. Mordstein: Und – wenn ich recht informiert bin - Ihre Mutter war Magd bei einer jüdischen Familie. Bei welcher Familie? Ulrich Käsbohrer: Beim Moritz Lammfromm, das war das zweitletzte Anwesen auf der linken Seite der Donauwörther Straße. J.Mordstein: Was hat Ihre Mutter erzählt über ihre Tätigkeit als Magd in dem jüdischen Haushalt Moritz Lammfromm? Ulrich Käsbohrer: So, wie ich meine Mutter gekannt habe: Sie war jedenfalls immer zufrieden und erzählte mir, dass das richtig brave Leute waren. Am Sabbat (schwäbisch Schabbes) durften die Juden kein Zündholz anmachen, wenn das Holz in den Ofen gerichtet war…
H. Hartwig: Waren Sie einmal in der Synagoge? Centa Sindl: Ja, oft. Man hat doch reindürfen. Meine Oma mütterlicherseits hat die Synagoge zusammen mit einer anderen Frau von hier geputzt. Am Freitagabend hat man Licht machen müssen; Juden haben doch kein Licht machen dürfen. Die haben von Freitagabend bis Samstagabend keinen Lichtschalter bedienen, keinen Brief aufmachen und im Ofen kein Feuer machen dürfen. Da haben christliche Dienstmägde bei den jüdischen Familien Licht gemacht. Bei denjenigen, die keine deutsche -äh, andersgläubige [d.h. christliche] Dienstmagd hatten, haben oft Kinder aus der Nachbarschaft geholfen, das Licht eingeschaltet, einmal einen Brief aufgemacht oder Ähnliches. Das war den Juden aus religiösen Gründen ja verboten.
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INTERVIEWS
Ulrich Käsbohrer
Kerzenständer
Laubhütte
Israel Lammfromm feiert zusammen mit seiner Ehefrau Cilly (rechts neben ihm) und Tochter Selma (rechts) das Laubhüttenfest, ca. 1925/30. In der Bildmitte ist eine christliche Dienstmagd zu sehen. Dieses Foto belegt die enge Verbundenheit der jüdischen Familien mit ihren christlichen Mägden (Foto: Gemeindearchiv Buttenwiesen, Sammlung Neuner).
MATERIALIEN
Diese Kerzenständer stammen aus einem jüdischen Haushalt in Buttenwiesen. Am Sabbat entzündeten Sabbatmägde die Kerzen, denn gläubigen Juden war diese Tätigkeit an diesem Ruhetag aus religiösen Gründen nicht gestattet.
Notiere dir in Stichpunkten, was Frau Sindl und Herr Käsbohrer über Sabbatmägde in Buttenwiesen erzählen:
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VEREINSLEBEN
THEMA 2
Höre dir beide Interviews an und schau dir die Materialien an. Notiere dir im Anschluss in Stichpunkten, was Ulrich und Johanna Käsbohrer über den Turnverein in Buttenwiesen erzählen.
In den folgenden Interview-Auszügen und Materialien erfährst du etwas über den Turnverein Buttenwiesen. Dieser wurde 1913 gegründet und hatte auch jüdische Mitglieder. Johanna Käsbohrer erzählt von Siegfried Frank (geb. 1903), einem Sohn des jüdischen Metzgers in Buttenwiesen. Er gehörte in den 1920er Jahren der Turnriege an und hatte gemeinsam mit seinen Sportkameraden bei zahlreichen Wettbewerben großen Erfolg. Darüber hinaus engagierte er sich auch im Vereinsleben: Er war z. B. Zeugwart und Wertungsrichter bei Wettkämpfen von Jugendlichen. 1935 wurde er – wie alle anderen jüdischen Mitglieder auch – aus dem Verein ausgeschlossen. Vereinsmitglieder durften nun nur noch sogenannte „Arier“ sein, also niemand jüdischen Glaubens. Siegfried Frank gelang es, 1939 in die USA zu emigrieren, wo er 1953 in New York starb. In den Interview-Ausschnitten berichten Johanna und Ulrich Käsbohrer über ihre Erinnerungen an die jüdischen Mitglieder des Turnvereins Buttenwiesen
J. Mordstein: Also es gab regelmäßige Kontakte, aber gab es auch Freundschaften? Ulrich Käsbohrer: Ja schon, was ich jetzt allerdings gehört habe: Vom Sportlerball [gemeint ist der Turnerball] da wurden die Juden ausgeschlossen. Und die Mädchen, also die jungen Damen, die wollten natürlich auch auf den Ball gehen. Also das habe ich von meinem Vater gehört, der da beteiligt war. J. Mordstein: Aber das war erst in der NS-Zeit so, oder? Ulrich Käsbohrer: Ja, ja. J. Mordstein: Vorher hat es so etwas nicht gegeben? Ulrich Käsbohrer: Nein.
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Johanna Käsbohrer
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H. Hartwig zeigt das Bild der Turnerriege Johanna Käsbohrer: Das ist auch ein Jude. Der da. H. Hartwig zeigt auf den aufgestützt liegenden Turner rechts unten: Der da unten? Johann Käsbohrer: Siggi, Frank Siggi (Siegfried). Die [seine Eltern] haben die Metzgerei gehabt, die jetzt der Hiltl hat. H. Hartwig: Das ist ja interessant. Johanna Käsbohrer: Ja – das war auch einmal schön: Und da hat man die Turner mit der Musikkapelle abgeholt, als sie mit dem Zug gekommen sind, - weil sie den ersten Preis gewonnen haben.
Das undatierte Foto zeigt die erfolgreiche Turnerriege des Turnvereins Buttenwiesen mit Siegfried Frank (vordere Reihe rechts). Vermutlich wurde es in einem Augsburger Fotostudio beim 15. Bayerische Turnfest 1922 in Augsburg aufgenommen. In den Mitgliederverzeichnissen des Turnvereins Buttenwiesen ist die Konfessions- bzw. Religionszugehörigkeit nicht angegeben. Es ist anzunehmen, dass es sich bei den übrigen Teilnehmern um katholische Vereinsmitglieder handelt.
Turnierriege
Das Foto zeigt die Damen-Turnriege des Turnvereins, ca. 1933/34, mit Liesl, Friedel und Käthe Reiter, Töchter von Leo Reiter (die ersten drei von links). Unter anderem bei ihnen könnte es sich um die von Herrn Käsbohrer erwähnten „jungen Damen“ handeln, die gerne den Ball des Turnvereins besucht hätten. 
Theateraufführungen unter dem Dach des Turnvereins waren in den 1920/30er Jahren in Buttenwiesen sehr beliebt. „Die Hochzeit der Winde“ wurde an Weihnachten 1931 gezeigt. Als Schauspielerinnen jüdischen Glaubens wirkten Liesl Reiter (vierte von links) und Hilde Hummel (ganz rechts) mit.  
Damen-Turnierriege
Tanzende Mädchen
Notiere dir in Stichpunkten, was Ulrich und Johann Käsbohrer über das Vereinsleben in Buttenwiesen erzählen:
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DER LANGE TAG
SCHULE
THEMENÜBERSICHT
SCHULE
THEMA 3
Höre Dir das Interview mit Centa Sindl an. Notiere dir in Stichpunkten, was Centa Sindl über den Schulbesuch von christlichen und jüdischen Kindern in Buttenwiesen erzählt. Schau die Fotos an und ergänze ggf. deine Aufzeichnungen um weitere Informationen.
Im folgenden Interviewauszug erfährst du etwas darüber, wie christliche und jüdische Kinder in Buttenwiesen Anfang des 20. Jahrhunderts zur Schule gingen. Frau Sindl erzählt vom Jahr 1917. Sie war fünf Jahre alt und gerade in die Schule gekommen. Sie erinnert sich aber nicht ganz richtig an die Geschichte der jüdischen Schule in Buttenwiesen. Diese wurde nämlich nicht erst in diesem Jahr gegründet, sondern schon 1848. Vor 1848 besuchten in Buttenwiesen alle Kinder eine gemeinsame Volksschule. Dann gingen die christlichen und jüdischen Kinder in verschiedene Schulen. Das entsprach den Vorstellungen der Zeit, auch katholische und evangelische Kinder besuchten verschiedene Schulen. Im Jahr 1917 allerdings hatte die jüdische Schule einige Monate lang keinen eigenen Lehrer, weil dieser zum Kriegsdienst eingezogen worden war. In dieser Zeit gingen die christlichen und jüdischen Kinder wieder gemeinsam in die Schule, bis dann Moses Sonn als neuer Lehrer der jüdischen Schule kam und die Kinder wieder verschiedene Schulen besuchten.
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H. Hartwig: Was uns besonders für die Schulkinder interessieren würde, wäre, wie Sie als Kind die jüdischen Schüler erlebt haben. Die sind ja auf eine andere Schule gegangen.  Centa Sindl: Die waren mit uns in der Schule. Ich bin mit Juden in die Schule gegangen. H. Hartwig: Ach … Centa Sindl: Ja, selbstverständlich. Später war das rote Haus oben am Geistberg, wo heute der Apotheker wohnt, die jüdische Schule. Da war nicht immer eine jüdische Schule. Aber wir sind noch gemeinsam in die Schule gegangen, unsere Schule war dort, wo heute die Bettfederreinigung Müller ist. Da bin ich gemeinsam mit dem Ernst Frank, dem Ludl [Ludwig Frank] und einem [Sohn der Familie] Leiter in die Schule gegangen. Und dann kam der Lehrer Moses Sonn und dann wurde dort oben am Geistberg in dem Haus ein Schulsaal eingerichtet.  H. Hartwig: Die Juden haben ja andere Gebräuche. Hat sich das in der Schule gezeigt? Zum Beispiel beim Beten? Centa Sindl: Die sind halt während des Religionsunterrichts gegangen. H. Hartwig: Da waren die nicht dabei? Centa Sindl: Da waren die nicht dabei. So wie heute die Evangelischen nicht im [katholischen] Religionsunterricht dabei sind. Die jüdischen Kinder hatten dann in der Synagoge Religionsunterricht. 
Jüdischen Schulklasse mit Moses Sonn
In diesem Gebäude war ab 1848 die jüdische Schule in Buttenwiesen untergebracht. Das Gebäude steht heute noch weitgehend unverändert am Geistberg, es hat aber keinen roten Anstrich mehr. Für die jüdische Schule galt der gleiche staatlich verordnete Lehrplan wie für die christlichen Volksschulen. Nur der Religionsunterricht war natürlich jüdisch! 1932 musste die Schule schließen, weil es nur noch fünf Kinder jüdischen Glaubens gab. Die übrigen waren mit ihren Eltern nach und nach in die Städte, wo es bessere Chancen auf Arbeit und Bildung gab, abgewandert. Die Kinder in Buttenwiesen wurden nun wieder gemeinsam unterrichtet.
In diesem Gebäude befand sich von XXXX bis 1953 die Volksschule Buttenwiesen. Hier ist Centa Sindl zur Schule gegangen. Im Jahr 1917 besuchten auch die jüdischen Kinder wieder einige Monate lang diese Schule.
Schulgebäude jüdische Schule
Bettfedernreinigung
Auf diesem Foto ist der Lehrer Moses Sonn, den Frau Sindl in ihrem Beitrag erwähnt, in der hinteren Reihe rechts außen zu sehen. Er war von 1917 bis zur Schließung der Schule dort Lehrer.
Notiere dir in Stichpunkten, was Centa Sindl über das Schulleben in Buttenwiesen erzählt:
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DER LANGE TAG
THEMA 4
Höre Dir das Interview mit Johanna Käsbohrer und Centa Sindl an. Notiere dir in Stichpunkten, was sie über den "Langen Tag" in der Buttenwiesener Synagoge erzählen. Schau die Materialien an und ergänze ggf. deine Aufzeichnungen um weitere Informationen.
In den folgenden beiden Interviewauszügen erfährst du etwas darüber, wie die Juden in Buttenwiesen einen der höchsten jüdischen Feiertage begangen haben. Centa Sindl und Johanna Käsbohrer erzählen, wie sie den „Langen Tag“ der Juden miterleben konnten. Als „Langer Tag“ wurde umgangssprachlich der Feiertag Jom Kippur bezeichnet. Das ist ein Versöhnungsfest, die Gläubigen versöhnen sich mit Gott und nehmen sich vor, ihr Leben ganz nach den religiösen Vorschriften auszurichten. Juden und Jüdinnen verbringen den ganzen Tag in der Synagoge mit einer festen Abfolge an Gebeten. An diesem Tag wird gefastet, die Stimmung ist ernst und still. Am Abend gibt es dann ein feierliches Essen, meist im Kreis der Familie. Johanna Käsbohrer und Centa Sindl erzählen in den Interviews, wie sie den Langen Tag miterleben konnten.
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H. Hartwig: Noch mal zum Anfang zurück. Da haben Sie gesagt, dass Sie [für ihre Arbeitgeberin] einen Schemel in die Synagoge gebracht haben. Johanna Käsbohrer: Aber nur am „Langen Tag“. Weil die Juden da den ganzen Tag nicht nach Hause gegangen sind, auch mittags nicht, erst abends. So lange hat der Lange Tag gedauert. H. Hartwig: Sind die auf Schemeln gesessen oder gekniet? Johanna Käsbohrer: Nein, meine Frau [Arbeitgeberin] wollte ihre Füße darauf hochlegen. Die Juden hatten ja Stühle [in der Synagoge]. Abends sind wir sind da auch rein, weil wir neugierig waren. Da hat man am Langen Tag schon rein dürfen. Sie haben [die Gebete] hebräisch gesprochen und wir haben nichts verstanden. Meine Frau hat mir gesagt, wann ich mit dem Schemel kommen soll.
Da [in die Synagoge] hat man auch reindürfen, wenn zum Beispiel der höchste Feiertag war, der „Lange Tag“. Da sind die Juden in der Früh in die Synagoge gegangen, ohne zu essen und ohne alles. Sie haben an diesem Tag gefastet und bis Mitternacht nur gebetet. Und da haben die Christen auch reindürfen und zuhören dürfen. Da war das nicht so, man hat sich doch gekannt.
Synagoge in Buttenwiesen
Es gibt nur wenige Fotos von jüdischen Gottesdiensten in den 30er Jahren. Aus Buttenwiesen ist keines bekannt. Aber vermutlich bot sich bei den jüdischen Gottesdiensten in Buttenwiesen ein ähnliches Bild wie in Erlangen um 1938: Männer und Frauen saßen getrennt und man zog einen guten Anzug bzw. ein schönes Kleid zum Besuch des Gottesdienstes an. Die Männer trugen alle Kopfbedeckungen, da es im Judentum Vorschrift ist, so Ehrfurcht vor Gott zu zeigen.
Auf diesem Bild des Innenraums kann man links oben die Frauenempore gut erkennen. Dort saßen während des Gottesdienstes die Frauen, die Männer hatten ihre Plätze unten im Hauptraum der Synagoge. Johanna Käsbohrer erzählt, wie sie ihrer Dienstherrin einen Schemel auf diese Frauenempore gebracht hat.
Auf diesem Bild ist die Westfassade der Synagoge mit dem Haupteingang zu sehen. Wenn man links zwischen der Synagoge und dem Haus ums Eck ging, kam man gleich zu einer weiteren Tür, die zu einer Treppe auf die Frauenempore führte. Dort saß auch die Herrin von Johanna Käsbohrer während des Gottesdienstes.
Männer in der Synagoge (Erlangen, vermutlich 1938)
Innenraum der Synagoge in Buttenwiesen (1930)
Notiere dir in Stichpunkten, was Centa Sindl und Johanna Käßbohrer den „langen Tag" in Buttenwiesen erzählen:
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Vereinsleben
Schule
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